Piraten wollen Stadtgebiet Saarlouis als Teststrecke für selbstfahrende Autos ausweisen

Nachdem in Merzig bereits ein Testfeld zur Grundlagenforschung im Bereich der Verkehrstelematik eingerichtet wurde, auf dem Neurowissenschaftler der HTW das Fahrerverhalten in verschiedenen Verkehrssituationen analysieren, um Erkenntnisse für neue Fahrassistenzsysteme zu gewinnen, möchten die Piraten im Kreis Saarlouis nun einen Schritt weiter gehen. Sie wollen Saarlouis zum Testgebiet für autonomes Fahren ausweisen. So sollen dort im gesamten Stadtgebiet bald mehrere selbstfahrende Fahrzeuge zu Testzwecken unterwegs sein.
 
Holger Gier, Stadtratsmitglied der Piraten, sieht in elektrobetriebenen und autonomen Fahrzeugen die Zukunft der Automobilnutzung und -industrie: "Gerade Saarlouis mit den Ford-Werken als einzigem Standort mit einem ortsansässigen Fahrzeughersteller im Saarland und diversen Kfz-Zuliefererbetrieben in unmittelbarer Umgebung bietet sich für die Erprobung selbstfahrender Autos hervorragend an. Um praxisnahe und realitätsbezogene Tests durchführen zu können und möglichst viele verschiedene Verkehrsitutionen zu berücksichtigen, sollen im Stadtgebiet verschiedene Straßentypen, also Gemeinde-, Kreis- und Landstraßen, aber auch Bundestraßen und Autobahnteilstücke, in das Probegebiet miteinbezogen werden. Eine solche gemischte Straßennutzung entspricht auch dem alltäglichen Fahrerverhalten und liefert somit die besten Erkenntnisse für weitere technische Entwicklungen. Würden in Saarlouis alle Straßentypen zu Testzwecken mit autonomen Fahrzeugen befahren, wäre dieser Standort in Deutschland auch nahezu einzigartig und man hätte wiederum ein Alleinstellungsmerkmal.  Um die Straßen zu Testzwecken benutzen zu dürfen, müssen schnell die hierzu notwendigen Ausnahmegenehmigungen bei Bund, Land, Kreis und Stadt Saarlouis eingeholt werden."
 
Gier sieht die Gefahr, dass Deutschland, sollte es nicht schnell die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, Bürokratieabbau betreiben und die Entwicklung im Bereich des autonomen Fahrens aktiv fördern, als Land mit vielen der größten und wichtigsten Automobilherstellern der Welt droht den Anschluss zu verlieren und aktuelle Trends zu verschlafen: "International gesehen sind bisher vor allem die USA das Testfeld für selbstfahrende Fahrzeuge. Diese sind uns hier einige Schritte voraus. So ist z.B. schon seit über fünf Jahren eine ganze Flotte von fahrerlosen Autos des Internetkonzerns Google auf den Straßen von Kalifornien und Nevada unterwegs. Um hierbei den Anschluss nicht vollständig zu verlieren und deutsche Bürokratiehürden zu umgehen, schicken auch deutsche Autobauer wie Audi und Mercedes ihre selbstfahrenden Fahrzeuge auf US-Straßen, statt diese vor der eigenen Haustür zu testen. Google und Apple haben den Trend längst erkannt, sammeln und werten schon seit Jahren Nutzerdaten und Kartenmaterial aus, um diese Daten für das autonome Fahren nutzbar zu machen. Hier haben deutsche Hersteller viel aufzuholen, um nicht gegenüber diesen und weiteren Konkurrenten ins Hintertreffen zu geraten. Diese Firmen beschränken sich schon lange nicht mehr nur auf ihr Kerngeschäft, sondern suchen immer neue, innovative und zukünftsträchtige Betätigungsfelder.
 
Die saarländische Landesregierung verkennt diese Entwicklung und auch die Chancen, die sich dadurch für das Saarland bieten, vollständig und fördert diese viel zu wenig. So könnte das Saarland nach dem Ausstieg aus dem Bergbau nun zu dem Vorreiter im Bereich der Entwicklung autonomer Fahrzeuge und alternativer Antriebstechnologien unter Einhaltung strenger Datenschutzbestimmungen werden, hierdurch neue Arbeitsplätze schaffen und attraktiv für neue Investoren werden. Wir haben beispielsweise mit dem InnovationsCampus Saar bereits einen hervorragenden Forschungsstandort, dessen Erkenntnisse in die zukünftige Entwicklung autonomer Fahrzeuge miteinbezogen werden könnten. Hierzu müsste die Landesregierung diesen Standort allerdings mit mehr Fördergeldern ausstatten bzw. mehr Fördermittel auf Bundes- und Europaebene einwerben. In Wuppertal wird im nächsten Jahr ein Testparcours für selbstfahrende Fahrzeuge – jedoch nur auf einer Landstraße – eingerichtet. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hält es, im Gegensatz zur saarländischen Wirtschafts- und Verkehrsministerin Rehlinger, wichtige Tests unter Realbedingungen auch in unmittelbarer Umgebung der deutschen Automobil- und Zuliefererindustrie durchführen zu können. Wir Piraten wollen, dass Saarlouis Ingieuren- und Entwicklern vor Ort die Möglichkeit beitet, ihre technischen Innovationen im Bereich des autonomen Fahrens erproben zu können und die deutsche Automobil- und Zuliefererindustrie damit auf ein neues Zeitalter der Automobilentwicklung vorzubereiten.", so Gier abschließend. 

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